Gut Wulksfelde: Wo Geschichte lebendig wird und Zukunft wächst
Wer heute über den Hof spaziert, kann kaum erahnen, wie alles einmal begonnen hat. Hinter dem Gut Wulksfelde steckt eine bewegte Geschichte voller Wandel, Mut und echter Pioniermomente. Genau diese Mischung prägt uns bis heute.

Ein Gut mit langjähriger Historie
Bevor hier Bio-Landwirtschaft, Gärtnerei, Backstube, Lieferservice und Hofladen entstanden, gehörte Wulksfelde einst zum Gut Jersbek. Erst im 18. Jahrhundert wurde es selbständig. Und damals ging es auf dem Gelände durchaus geschäftig zu: eine Ziegelei, eine Kattunfabrik, Schnapsbrennerei, Glashütte, Braunbierbrauerei. Es gab außerdem zwei Mühlen: eine Papierwassermühle und eine Kornwassermühle. Beide Mühlen brannten später ab, doch die Spuren von Tatkraft und Vielfalt blieben. Man könnte sagen: Wandel liegt diesem Ort im Blut.
1860 baute der damalige Gutsherr Georg Uhrlaub das große weiße Gutshaus, das bis heute sichtbar die Geschichte trägt. Was früher vornehmer Herrensitz war, ist mittlerweile ein lebendiger Mittelpunkt des Hofes.
An einen grausamen Teil in der Geschichte des Gutshofes erinnern heute zwei Stolpersteine auf der Einfahrt. Czeslawa Jaglinski wurde gemeinsam mit ihrer gleichnamigen Tochter, ihrem Mann und vier weiteren Kindern von den NS-Besatzern Polens im Jahr 1944 aufs Gut Wulksfelde gebracht wurde, um Zwangsarbeit zu leisten. Einen Tag vor ihrem ersten Geburtstag verstarb ihre jüngste Tochter. Die Nazis hinderten die Mutter daran, ihr Kind zu ernähren und so verhungerte es. Eine Grausamkeit, an die die Stolpersteine dank Initiative von Margot Löhr erinnern. Der Rest der Familie hat das Kriegsende überlebt.
Ein mutiger Neuanfang
1989 begann dann die Geschichte unseres Wulksfeldes: Sechs Menschen bewarben sich auf die Pacht eines ziemlich heruntergekommenen Gutes samt 260 Hektar verwilderter Ackerflächen. „Sind die verrückt?“, fragten sich damals viele. Die Hamburger Öffentlichkeit blickte skeptisch, aber wir blieben dabei: Ärmel hoch, los ging’s.
Die ersten hofeigenen Produkte verkauften wir sprichwörtlich „zwischen Tür und Angel“ – im Hausflur. 1990 entstand der erste richtige Hofladen, der mehrfach wuchs und 2008 schließlich neu gebaut und 2025 modernisiert wurde. Ein Ort, der bis heute Herzstück des Hofes ist.


Landwirtschaft ohne Tiere? Undenkbar.
Von Anfang an gab es Hühner, 1996 kamen die ersten Schweine dazu. Zehn waren es damals – heute leben weitaus mehr Tiere bei uns, artgerecht, neugierig und quicklebendig. Eine gute Futtergrundlage, viel Platz und ein respektvoller Umgang prägen ihre Haltung.
Wachsen, weil Bedarf entsteht
Schon 1997 wollten 40 Kundinnen und Kunden direkt beliefert werden. Das war die Geburtsstunde unseres Lieferservices. Damals packten wir Kisten in der Garage. Heute beliefern wir mehrere Tausend Haushalte pro Woche im Großraum Hamburg. Was klein begann, ist zu einem starken, vielseitigen Standbein herangewachsen.
Parallel gründeten Oliver und Bettina Holst auf dem Hof unsere Gärtnerei. Zwei Menschen, die Wulksfelde bis heute prägen. Kräuter, Gemüse, Thermogewächshäuser, Marktstände – die Gärtnerei ist heute ein Kern unserer Identität.


Vom Korn zum Brot
Als Roggen, Dinkel und Weizen auf unseren Feldern immer besser gediehen, lag der nächste Schritt auf der Hand: selbst backen statt verkaufen. 1999 startete unsere Backstube, wo damals wie heute mit viel Leidenschaft und Liebe zum Handwerk beste Bioland-Backwaren entstehen.
Natur erleben für Groß und Klein
Mit dem neuen Hofladen entstand 2009 auch unser Tiergarten. Ein Ort, an dem Kinder artgerechte Tierhaltung mit allen Sinnen begreifen können. Ziegen, Esel, Kaninchen & Co., Spielplätze, Kletterparcours und Sitzgruppen machen den Besuch zu einem Erlebnis für Familien.
Und auch zu lernen gibt es etwas: Seit 1996 ist der Ökomarkt e. V. Partner des Gut Wulksfelde, plant und führt Veranstaltungen mit Schulklassen und Kitagruppen durch und bildet Pädagoginnen und Pädagogen fort. Von den Tieren und dem Pflanzenbau bis hin zur Verarbeitung z.B. in der Gutsbäckerei, lässt sich viel erkunden. Schau auch gerne in unserem Veranstaltungskalender vorbei, wir bieten für alle Altersgruppen diverse tolle Events an.


Genuss auf dem Hof
Ebenfalls 2009 eröffneten Rebecca und Matthias Gfrörer die Gutsküche. Eine Adresse für regionale Spitzenküche, für Genuss mit Heimatbezug. 2015 kam das Gutskaffee dazu, 2020 das GutsDeli. Orte, an denen man schmecken kann, was das Land hervorbringt.
Mehr Platz für große Ideen
2013 übernahmen wir in Kooperation das benachbarte Gut Stegen. 200 zusätzliche Hektar eröffneten neue Möglichkeiten: mehr Getreide für die Backstube, größere Rinderherde, ein neues Winterquartier und Moorböden, auf denen heute unsere Heidelbeeren wachsen.


Zwischen Geschichte, Gemeinschaft und Zukunft
Das Gutshaus selbst hat viele Geschichten erlebt. Heute ist es Arbeitsplatz für viele Kolleginnen und Kollegen und steckt doch voller Überbleibsel seiner früheren Rollen. Der alte Partykeller mit der stillgelegten Bar erzählt vom Gutshausleben vergangener Tage. Im Gewölbekeller befindet sich unser hauseigenes Fotostudio, wo viele Produktbilder entstehen. Der Arbeitsweg dorthin führt zwar vorbei an der ein oder anderen Spinne, aber er gehört genauso zum Wulksfelder Charme wie der Blick über die Felder.
Gut Wulksfelde heute
Aus einem baufälligen Hof ist ein vielfältiger Bioland-Betrieb geworden. Landwirtschaft, Gärtnerei, Bäckerei, Metzgerei, Hofladen, Tiergarten, Lieferservice, Gastronomie – all das macht unser Wulksfelde aus. Und auch wenn wir stetig wachsen: Der Kern bleibt derselbe. Menschen arbeiten hier miteinander, füreinander – und für das, was uns alle verbindet: biologische Landwirtschaft, gutes Essen, Tierwohl und die Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft.

